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In jedem Jahr danken wir Mitglieder, die dem DJV schon seit 25, 40, 50, 60, 65 oder sogar 70 Jahren die Treue halten.
Einige der 2023 geehrten Kolleginnen und Kollegen stellen wir Ihnen hier vor, jeweils in ihren eigenen Worten zu Werdegang und Erfahrungen - und auch mit Appellen.
Frank DONOVITZ - 25 Jahre

Vor gut 25 Jahren beendete ich mein Redaktionsvolontariat beim Hamburger Finanzmagazin „Cash.“ – die DJV-Mitgliedschaft hatte mir der Chefredakteur empfohlen. Als Wirtschaftsredakteur ging es zunächst nach Berlin zur „Welt“, im Jahr 2000 dann nach Hamburg zum „stern“, als Redakteur für Politik und Wirtschaft und später als Inlandskorrespondent in Frankfurt/Main. 2014 ergab sich ein Ausflug ins Politische, später ins Management von RTL NEWS, seit September 2023 zurück im Journalismus als Reporter am Hauptstadtbüro des „stern“.

Ich möchte keine dieser Stationen missen, ebenso wenig meine Engagements in der Ausbildung des Mediennachwuchses. Dieser Nachwuchs wird in einer – verglichen mit vor 25 Jahren – radikal veränderten Medienwelt groß: Neben redaktionellen Medien bilden heute so genannte soziale Medien das, was wir Öffentlichkeit nennen, jenen Raum, in dem sich öffentliche Meinungsbildung abspielt. Dies hat erhebliche Auswirkungen auch auf den Journalismus: ökonomisch und soziologisch. In beiden Dimensionen steht Journalismus unter Druck, muss sich anders behaupten als in den vergangenen 100 Jahren. Wie? Meiner Ansicht nach durch radikale Professionalität. Der Beruf erfordert heute genauso viel Mut wie Demut. Redaktionelle Berichterstattung ringt mehr denn je mit Tempo versus Tiefe. Und um das Vertrauen des Publikums. Nichts schafft mehr Vertrauen als Professionalität – das ist meine vielleicht wichtigste Lehre aus 25 Jahren Journalismus. Und: Journalistische Neugierde sollte mehr denn je nicht das suchen, was man persönlich gerne hätte, sondern das, was ist. Klingt beinahe banal – ist es aber im redaktionellen Alltag nicht immer.

Der DJV war stets ein professionelles Backup. Acht Jahre durfte ich Mitglied der Bundestarifkommission Zeitschriften sein, zeitweise auch Bundesdelegierter meines Landesverbandes Nord. Allen Kolleginnen und Kollegen, die das ermöglicht haben, bin ich zutiefst dankbar für ihr Vertrauen und für die Erfahrungen, die ich dadurch machen durfte.

Dr. Floria Fee FASSIHI - 25 Jahre

Ich freue mich sehr, schon 25 Jahre Mitglied im DJV zu sein. 

Wenn ich auf die letzten 25 Jahre zurückblicke, so ist der Journalismus noch immer mein Traumberuf. 

Meine Arbeit als Hörfunk- und TV-Journalistin hat mich an die interessantesten Orte geführt, zu den faszinierendsten Menschen und den unterschiedlichsten Themen. Für meine Reportagen bin ich oft an meine Grenzen gegangen – so zum Beispiel bei einer 24-Stunden-Schicht mit der Feuerwehr und dem Rettungsdienst oder auch bei der Begleitung eines Bundeswehr-Rettungshubschraubers, wo ich bei den Einsätzen mitfliegen und berichten konnte. Ich hatte internationale Stars zum Interview in meiner Sendung, habe Politikern auf den Zahn gefühlt und hatte viele spannende Gäste im Studio, die von ihrem Leben und ihren Projekten berichtet haben. Kein Beruf ist so vielseitig wie der Beruf des Journalisten!

Ein besonderes Anliegen ist mir – gerade in der heutigen Zeit – die Sicherung der journalistischen Qualität sowie die Trennung von journalistischen Inhalten und Werbung. Mein hierzu erschienenes Fachbuch soll als Leitfaden dienen und Aufmerksamkeit für dieses Thema schaffen. 

Ich freue mich, als Hochschullehrerin an verschiedenen Universitäten angehende Journalisten für den Beruf begeistern zu können und meine Erfahrungen mit ihnen zu teilen.

Dieser Beruf macht einen Unterschied. Journalisten haben große Verantwortung. Und die Herausforderungen für den Journalismus sind im Jahr 2023 nicht weniger geworden: Das Aushandeln fairer Honorare, das Schaffen von adäquaten Arbeitsbedingungen, der Umgang mit KI sowie das Enttarnen von Fake News durch sorgfältige Quellenprüfung werden uns weiter beschäftigen. Durch gute und fundierte Ausbildung wird der Journalismus aber dafür gewappnet sein.

Ein schönes Erlebnis Anfang dieses Jahres motiviert mich ganz besonders: Ich war nach der Moderation eines Vorabend-TV-Magazins auf der Straße unterwegs, als mich eine Dame mit folgenden Worten ansprach: „Dass ich Sie einmal persönlich treffe, ist ja toll! Vielen Dank für Ihre Arbeit.“

In diesem Sinne: Auf die nächsten 25 Jahre oder länger. Ich kann es gar nicht erwarten.

(Foto: privat)

Andreas LAIBLE - 40 Jahre

43 Jahre beim Hamburger Abendblatt als Fotojournalist.

Von 1980 -2000 als freier Fotograf - dabei natürlich auch für andere Zeitschriften/Zeitungen unterwegs - und seid 2000 bis heute fest angestellter Fotograf beim Hamburger Abendblatt. Jetzt allerdings in der passiven Phase meiner Altersteilzeit, die im Juli 2024 endet.

Die ‚guten alten Zeiten‘ habe ich zum Glück miterleben dürfen. Das klingt ein wenig abgedroschen und oldschool, aber es trifft leider zu. Heute kann ich den Beruf des Fotojournalisten nicht mehr empfehlen. Das Foto ist eine billige Massenware geworden, das nicht adäquat bezahlt wird. Als freier Pressefotograf ist ist nahezu unmöglich, davon seinen Lebensunterhalt zu  bestreiten, und die Spezies der festangestellten Fotografen stirbt so langsam aus, genauso wie die gedruckten Tageszeitungen.
Jetzt muss man sich der KI ’stellen’, und versuchen diese im positiven Sinne zu nutzen, bevor diese den Fotografen überflüssig macht.

Dieses Foto wurde 2017 bei der Ankunft von Donald Trump zum G20-Gipfel auf dem Hamburger Flughafen gemacht. (Foto: Michael Penner)

Hans G. LEHMANN - 50 Jahre

Während eines zweijährigen Aufenthalts in Winnipeg, Kanada machte ich Anfang der 60er Jahre die ersten Gehversuche als Freier Fotograf. Meine allererste Veröffentlichung war ein Artikel in der damaligen Jugendzeitschrift „Rasselbande“ über die Calgary Stampede, das berühmteste Rodeo des Landes. Honorar war mager und Nebensache, ich war einfach nur stolz.

Zurück in Deutschland zogen meine Frau und ich nach Hamburg, sie bekam schnell einen Job in der Bildredaktion des STERN, und ich kam als Jungfotgraf im gleichen Gebäudekomplex bei der Fotoagentur Conti-Press unter. Mangels Teamfähigkeit machte ich mich nach etwa einem Jahr lieber selbstständig und habe seither bis 2015 als Freier Fotograf gearbeitet.  Anfangs für die Hamburger Tageszeitungen Hamburger Abendblatt, Morgenpost und Abendecho, später größere aktuelle Auftragsproduktionen für den Stern. In einem eigenen Fotostudio in Harvestehude fotografierte ich zudem fast alle Größen der damaligen Popmusik-Kultur für Jugendzeitschriften und Schallplatten-Covers. Darunter Produktionen mit Udo Lindenberg, Otto Waalkes und den Scorpions in Japan.

Sehr viel Glück als Freier hatte ich ab Mitte der 80er Jahre mit der weltweiten Vermarktung meiner „Erlkönig“-Fotos von geheimen zukünftigen Automodellen, die die Werke noch nicht in den Medien sehen wollten. Ich wusste an welchen entlegenen Orten die Testkolonnen ihre Versuche fahren würden, folgte ihnen durch die Welt und hatte über Jahre die Fotos so gut wie allein und exklusiv. Ein lukratives Geschäft, denn damals gab es noch Exklusiv-, Erst- und Zweitrechtsverkäufe und sogar First Look Honorare. Ein Traum aus vergangenen Zeiten, der Geschichte ist. Dank Smartphones und Internet ist hier die Luft inzwischen komplett raus, und ich kann nur jedem Interessierten raten, es statt als Fotograf vielleicht als Influencer zu versuchen.

Übrigens: mein meistverkauftes Foto überhaupt ist kein getarntes Auto sondern ein Portrait von Ulrike Meinhof aus einer Fotosession für den Stern aus dem Jahr 1967.

Warten auf den „Erlkönig“ - Hans G. Lehmann in einem versteckten Naturbunker in Beatty, Nevada 1989 (Foto: Arno Helfrich)

Dr. Hans Joachim MEURER - 25 Jahre

„Wer schreibt, der bleibt“, zitierte ein Kollege vor vielen Jahren mal einen alten Lateiner. Und hatte damit den Nagel doch nur halb auf den Kopf getroffen. Denn das Schreiben ist das eine; der Wandel, der die Branche schon immer treibt, das andere.
 

Aber auch bei mir begann alles mit dem einen: Schreiben war mein Ding. Schon an der Schule – für zwei Lokalzeitungen. Was mir ein frühes Volontariat bescherte, das ich im Lokalen der Kitzinger Zeitung bei Würzburg begann und beim Main Echo in Aschaffenburg dann fortsetzte.
 

Nach dem Job-Hopping in frühen Jahren wechselte ich buchstäblich „den Kanal“, ging nach Großbritannien zum Studieren, blieb ungeplant zum Promovieren. Und die Jahre auf der Insel haben mich – vielleicht in einem Satz meines damaligen Supervisors zusammengefasst – geprägt: „Man muss nicht alles wissen”, sagte er angelsächsisch-pragmatisch, “aber wissen, wie man lernt.“
 

Vom Campus wechselte ich zu Corporate: Seit 25 Jahren arbeite ich in der Unternehmenskommunikation der EDEKA-Zentrale, Hamburg. Als Redakteur und Chef vom Dienst einer Fachzeitschrift für Kaufleute. Wie im Regionalen nah an interessanten, engagierten, bisweilen auch markanten Menschen; und aus Unternehmenssicht mit Blick hinter die Kulissen eines eng getakteten Geschäfts; oft mit den für viele von uns typischen ungeplanten Arbeitstagen.
 

Seit diesen 25 Jahren bin ich auch Mitglied im DJV. Weil die Tür für Rat und Tat hier immer offensteht; und wegen der Möglichkeiten zur Weiterbildung. Denn von der alten Schreibmaschine bis zu den ersten Prompt-Versuchen blieb das Schreiben zwar immer meine Triebfeder, die sich ändernden Rahmenbedingungen aber ein ständiger, fordernder Begleiter: Das Tagesgeschäft wird schneller, die Arbeitsdichte höher, der Weg zu Leserinnen und Lesern verzweigter.
 

Mein Wunsch? Dass gerade jüngeren Kolleginnen und Kollegen wieder öfter eine Ausbildung angeboten wird statt Praktika und Hospitanzen. Denn Handwerk hilft. Und dass wir Älteren uns einen differenzierten Blick über den Tellerrand bewahren – auch bei Themen wie dem Gendern oder dem Umgang mit KI. Also die eigene Erfahrung gelegentlich hinterfragen. Denn um den Kreis zu schließen: Nur das Schreiben ist kein Grund zu bleiben.

(Foto: Christian Schmid)

Martin NAß - 25 Jahre

Das Wort vom Traumberuf ist schon ein großes, aber Journalist oder Reporter zu sein – das hat mich schon als kleiner Junge in Gelsenkirchen interessiert. Bis zum ersten selbst erschriebenen Gehalt hat es aber doch etwas gedauert: Als Volontär in der Pressestelle der Essener Verkehrs-AG, nach dem Studium im Bochum (Publizistik und Kommunikationswissenschaft), war ich tatsächlich soweit, „Journalist“ zu sagen, wenn nach dem Beruf gefragt wurde. Keine schlechte Entscheidung, find ich auch heute noch.

Zum DJV bin ich mehr oder weniger vom Start weg gekommen, allerdings nicht von allein, sondern auf Empfehlung meines Chefs Nils Hoffmann, damals Pressesprecher der EVAG. Mitgliedschaften in Vereinen oder einer Gewerkschaft sind so gar nicht mein Ding, aber in diesem Fall erschien mir das goldrichtig. Auch dieses Gefühl hat bis heute angehalten.

Im Ruhrgebiet war ich nach dem Volontariat bis 2008 als Freiberufler aktiv, schon mit deutlichem Schwerpunkt Unternehmenskommunikation, und für sehr verschiedene Auftraggeber und Branchen. Dann bekam ich einen Job in Hamburg, beim fliegermagazin, einer Fachzeitschrift für die Allgemeine Luftfahrt. Etwas über 13 Jahre hab ich es dort ausgehalten (beim Jahr Top Special Verlag, heute Jahr Media), bis es höchste Zeit wurde zu gehen.

Heute bin ich im Redaktionsteam der Agentur Köhler + Partner in Buchholz, in der Nordheide. Dort beschäftigt uns aktuell vor allem, ob und inwieweit eine KI es schafft, unsere wirklich sehr speziellen und sehr technischen Fachtexte zu erstellen, und ob wir bald arbeitslos werden. Unsere momentane Überzeugung: Sie schafft es eher nicht. Auch nicht annähernd. Genauso wenig, wie wir alle bald mit Lufttaxis von A nach B kommen – womit wir uns beim fliegermagazin immer mal wieder auseinandergesetzt haben. Aber die Entwicklung ist rasant, es bleibt also spannend.

(Foto: Britta Hertmann)

Anne PAMPERIN - 25 Jahre

Ich bin Baujahr 1966 und fand über die ehrenamtliche Öffentlichkeitsarbeit in meinem Verein zum Journalismus. Schreiben mochte ich schon immer und das Fotografieren habe ich mir selbst angeeignet.

Als Quereinsteiger (Ich habe vorher bzw. parallel dazu Ingenieurwesen studiert, also etwas komplett artfremdes...) bin ich 1997 beim Hamburger Abendblatt gelandet und habe dort (und auch bei anderen Tageszeitungen) bis 2022 als freie Mitarbeiterin im Bereich Regionalsport gearbeitet. Eine Festanstellung hatte ich nie.

In der Coronapandemie wurde der Regionalsport so gut wie eingestellt, für die freien Mitarbeiter*innen gab es nicht viel zu tun. Mein Mann Martin Oster und ich haben im April 2020 den Youtube-Kanal "gewaltig nachhaltig" gegründet und veröffentlichten zunächst Gartenvideos, schwenkten aber schnell in Richtung Photovoltaik, Energiewende und Sektorenkopplung um. Uns folgen mittlerweile mehr als 70.000 Abonnenten. Im September 2022 erschien unser erstes Buch "Photovoltaik für Einsteiger" - ein Ratgeber für PV-Neulinge.

Fortsetzung nicht ausgeschlossen...

Zum Thema Journalismus heute: Mich bedrückt die zunehmende Gewalt gegen Journalist*innen, nicht nur körperlich, sondern auch verbal. Auch auf unserem Youtube-Kanal wird kontrovers über Energiewende und Klimawandel diskutiert, der Ton ist oft grenzwertig und manchmal einfach nicht akzeptabel. Das ist gerade im Internet bzw. in den sozialen Medien ein riesengroßes Problem. Da würde ich mir mehr Verantwortungsbewusstsein der Plattform-Betreiber wünschen. 

(Foto: Martin Oster)

Oda ROSE-OERTEL - 25 Jahre

Bei den Lübecker Nachrichten habe ich mein Handwerkszeug als Zeitungsredakteurin erlernt, danach blieb ich dem Blatt noch einige Jahre fest verbunden und bin bis heute nebenberuflich freie Mitarbeiterin, obwohl ich inzwischen seit rund 20 Jahren in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit tätig bin. Bis heute bin ich dankbar für meine intensiven und erfahrungsreichen ersten journalistischen Jahre. Die Vielfalt an menschlichen Begegnungen und Themen, die Auseinandersetzung mit unterschiedlichsten, oft markanten Charakteren innerhalb und außerhalb der Redaktion hat mich damals fasziniert, manchmal auch herausgefordert.

Schon während meiner frühen Laufbahn war zu spüren, dass es gerade für junge Menschen zunehmend schwieriger wurde, zu fairen Rahmenbedingungen journalistisch Fuß zu fassen. Und immer mal wieder habe ich das Gefühl, „meine Zunft“ gegen eine Verächtlichmachung der Medien im Allgemeinen verteidigen zu müssen. Dabei weiß ich aus erster Hand, wie viele gute, engagierte und redliche Kolleginnen und Kollegen es gibt, die trotz aller Widrigkeiten und zunehmender wirtschaftlicher Zwänge jeden Tag aufs Neue ihr Bestes geben. Ich wünsche mir, dass das gerade angesichts in Zeiten von digitalen „Fake News“ und der Verbreitung von vermeintlichen Nachrichten in sozialen Medien mehr gesehen wird.

Mit dem DJV verbindet mich viel. Leider habe ich mehr als einmal in meinem Leben als Journalistin rechtlichen Beistand von ihm erbitten müssen. Dieser wurde mir sofort und ohne Aufhebens ganz selbstverständlich gewährt und hat mir auch menschlich sehr geholfen. Ich fühle mich durch den Verband als Teil einer im wahrsten Sinne solidarischen Gemeinschaft. 

(Foto: Valeska Achenbach)

Bettina SALIS - 25 Jahre

25 Jahre Mitglied im DJV – und schon wieder draußen. Seit diesem Jahr bin ich auch im Ruhestand. Journalistin, das war mein zweiter Beruf. Davor war ich Hebamme. Als ich um die Jahrtausendwende begann für Artikel zu recherchieren (thematisch blieb ich meinem ersten Beruf treu), war es recht einfach, Kreißsaalhebammen für Interviews zu gewinnen. Wir konnten vertrauliche, offene Gespräche führen. Oft waren nicht einmal die Chefärztinnen oder -ärzte involviert, die Presseabteilung so gut wie nie; und wenn doch, dann wollten sie lediglich informiert werden, dass es da eine „Geschichte“ gibt. Heute ist es kaum möglich, direkt zu den Hebammen im Kreißsaal vorzudringen; Kontakte laufen ausschließlich über die Pressestellen – und die nehmen sich heraus, den Text lesen zu wollen (zumindest alles, was über die Klinik geschrieben wird) und die Texte zu bearbeiten (Oder: PR-Texte daraus zu machen). Viel Nervkram, wenn man sich dem nicht beugen möchte.

Ich bin dankbar, dass ich das freie Arbeiten über viele Jahre genießen durfte und bin ganz froh, dass ich mich mit den neuen Gegebenheiten nicht mehr herumschlagen muss.

Und ich danke allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des DJV für die gute Unterstützung, die ich in all den Jahren erfahren habe. Die Mitgliedschaft im DJV war auf jeden Fall ein Gewinn.

(Foto: Olaf Hansen)

Dr. Renate V. SCHEIPER - 40 Jahre

Meine poltrige Vita

Wegen politischer Gründe aus der DDR geflüchtet, schleuderte mich das (grausame) Schicksal nach Münster/Westfalen. Mein erster Versuch bei den Westfälischen Nachrichten, Journalistin zu werden, scheiterte daran, dass ich … evangelisch war! Unfaßbar. Bis dahin wusste ich nicht, dass es zwei Götter gibt. Als Flüchtling in einer so ganz anderen Welt angekommen, ist man zunächst ortsgebunden. Aus Trotz studierte ich deshalb in Münster  Publizistik (obwohl ich evangelisch war!). Als Zweitfach Klassische Archäologie. Abschluss war nur mit Promotion möglich. Praktikum bei einer Zeitung während des Studiums? Nicht möglich, da „unakademisch“. Immerhin konnte ich später beim WDR Münster ein mehrmonatiges Praktikum machen – obwohl evangelisch! Übernahme? Nein. Wir sind genug. Durch Gastdozenten Köster von dpa Hamburg konnte ich 1982 dort in den Bereichen Lokales und Kultur 9 Monate arbeiten (mit Minibezahlung ohne Versicherung!) Das war zwar ein Sprung ins kalte Wasser, trotzdem wunderbar und mit Erfolg. Übernahme? Nein, das ist unüblich. – Nebenbei machte ich eine Ausbildung zur Fotojournalistin.

In den Monaten bei der dpa und auch danach versuchte ich, bei einer der vielen Medien in HH anzukommen. Keine Chance, da ich keinen „Türöffner“ hatte. Wenn ich stolz als Referenz die dpa angab, der Kommentar: Oh nein. dpa-Leute können nicht schreiben!

Chefredakteur Winter von GEO aber schickte mich nach Kreta für eine große Reportage über neuste Ausgrabungen der minoischen Epoche. Parallel dazu wurde ein Fotograf aus Frankreich mitgeschickt. Ich hatte dort beste Kontakte zu Archäologen und den Ausgrabungen.  Meine Reportage begeisterte Herrn Winter. Er gab es zum „Durchlesen“, wie er sagte, noch einem Redakteur – ebenfalls promoviert. Er verriss die Reportage als „unmöglich“. „Er hat „Konkurrenz“ gewittert, sagte man mir. ARTE brachte später den Artikel etwas abgewandelt mit sehr guter Resonanz. Leider wurde dann dort entschieden, dass Archäologie nicht unter die Rubrik „ART“ falle, somit also auch dort keine weitere Chance.

Eine der vielen Kuriosa: Der SPIEGEL lud mich (etwa 1984) ein zu einem Gespräch. Ich erzählte begeistert von archäologischen Reportagen, die ich machen würde. Die zwei distinguierten Herren hörten (scheinbar) interessiert zu. Ergebnis: Archäologie interessiere die Leser nicht. „Im übrigen haben Sie als Frau beim SPIEGEL sowieso keine Chance!“  !!!! ???

Ich war ziemlich verzweifelt. Zu der Zeit, ca. 1983/4 zog ich mit „Türkenkoffern“, also  Plastiktüten mit meinen Habseligkeiten von Bekannten zu Bekannten, die gerade ein Bett frei hatten, bekam endlich eine Miniwohnung. Um diese Zeit wurde ich Mitglied im DJV Hamburg.

Die damalige Sekretärin des DJV, deren Namen ich leider vergessen habe (der ich aber ewig dankbar bin!), sagte mir, dass das Magazin „Restaurant & Hotelmanagement“ eine freie Mitarbeiterin suche. ??? Trotz Null Ahnung von diesem Metier bekam ich interessante Aufträge, die ich offenbar gut meisterte. Eines Tages vom Chefredakteur die Frage: „Haben Sie Lust nach Japan zu fliegen?“ Ich hielt es für einen bösen Scherz. Doch er meinte es ernst. Ich flog. First Class. Auftrag: Interview mit erstem nicht-japanischem GM des HILTON in Tokyo. Er war Schweizer. Ich lernte von ihm viel über Japan und wie sich Geschäftsleute zu verhalten haben (bloß keine Jeans !!!). Im Anschluß flog ich gleich rüber nach Seoul … „wenn sie schon mal dort unterwegs ist, eine Reportage über das dortiges HILTON.“ Ich lernte viel über Korea. In beiden Ländern war damals kein Hinweisschild oder sonstiges mit lateinischen Buchstaben geschrieben.

1987 war ich wieder in Süd-Korea – auch wegen der Archäologie (angeregt durch eine Ausstellung über Süd-Korea im „Museum für Kunst und Gewerbe“). Auf der Insel Chedju wohnte ich in dem Hotel, in dem kurz nach mir die seinerzeit berühmte deutsche Fußballnationalmannschaft sein würde. Gleich neben dem nagelneuen Stadion. Ich sollte im Hotel die Gerichte probieren, die für die deutschen Fußballer gekocht werden würden. Ob das alles  ok sei? Es war mehr als das. Als ich das Stadion besichtigte, dröhnte aus dem Lautsprecher die deutsche Nationalhymne.

Ich versuchte weiter, irgendwo in HH eine Festanstellung zu bekommen. Bei MERIAN sagte ein Redakteur, da ich sowieso in Indien sein würde, solle ich dort in den Süden weiter fahren und eine Reportage machen. Als ich zurückkam mit super Reportage, lapidar ohne sie zu lesen: Ach nein, passt nicht ins Heft!

Immer wieder musste ich über Trümmer steigen, wurde eiskalt abgewiesen mit Sätzen wie „täglich antichambrieren !!! bei uns genug Leute wie Sie“.

Etwa 1989/90 begleitete ich in Jordanien einen Archäologen, der, durch akribische Beweise belegbar, tatsächlich die Taufstelle Jesu am Jordan gefunden hatte. Ich überprüfte seine Quellen und bot die spannende Geschichte der Entdeckung dem Spiegel an. Sie wurde angenommen mit Bildern. Erscheinung: September. Kurzfristig wurde die Geschichte gekippt. Stattdessen erschien eine verrückte Geschichte über „Sex der alten Osterinsulaner“, aus dortigen Schriftzeichen entziffert! Herr Endter, Justitiar des DJV, erkämpfte für mich ein Ausfallhonorar. – Eine christliche Zeitung in HH lehnte das Thema ab mit dem Tadel: Wem sind Sie denn da auf den Leim gegangen!?“ -  Genau dieser Bereich am Ostufer des Jordan – al-Maghtas - gehört heute zum Welt-Kulturerbe !!!

Ich lebte von der Hand in den Mund, aber hatte immer wieder Glück: 1992 mit einem russischen Eisbrecher durch die Nordwestpassage, mit der „World Discoverer“ unter Kapitän Lampe und Kapitän Oliver Krüß in die Antarktis (wo wir damals fast das einzige Schiff waren) und durch die Südsee einschließlich Pitcairn Island, der Insel der Meuterer von der Bounty bis zur Osterinsel. Ich hielt (und halte) Bild-Vorträge über besondere Destinationen. Einige Jahre machte ich für den NDR „Zwischen Hamburg und Haiti“ Reportagen mit O-Tönen.

Immer mit Glück und Laune der jeweiligen Redaktionen schrieb ich deutschlandweit für verschiedene Medien; ab und zu auch für die FAZ – Reise. Durch Zufallskontakte für einige Medien in der Schweiz. Dort für die NZZ bis zum Ausscheiden des Reise-Redakteurs, öfter auch Glossen.

Durch meine Archäologie konnte ich ab Mitte der Achtziger Jahre Studienreisen leiten – zunächst für „Athena Reisen“/ Hamburg in Griechenland und erstmals 1990 per Bus entlang der West- und Südküste der Türkei. In Bodrum gab es damals  e i n  Hotel etwas außerhalb; in Antalya wurde das erste Hotel gebaut. Durch zwei vierwöchige Exkursionen während des Studiums mit Rotel-Bussen (hart, aber effizient) einmal durch Indien, einmal durch fast die gesamte arabische Welt inklusive Iran von Nord bis Süd hatte ich die beste Basis, dort überall bis in den Himalaya und den Karakorum Studienreisen für entsprechende Veranstalter zu leiten. Aber auch für „Prof.Kutscher Studienreisen“ auf dem kleinen „Kreuzfahrtschiff Angelöika“ (für maximal 24 Passagiere!!!) durch die Welt der Ägäis – als es Kreuzfahrten im heutigen Sinn noch gar nicht gab. Es war paradiesisch. Leider hat der Veranstalter aus Altersgründen aufgegeben.   

Fast immer sprang ich – beruflich und touristisch gesehen – ins kalte Wasser. Auch meine Promotion in Publizistik und Archäologie mit zwei Doktorvätern war Kampf und Balanceakt. Doch das stählt.

Seit 15 Jahren schreibe ich augenzwinkernd, trotzdem fundiert über die ach so menschliche Gesellschaft der mythologischen griechischen Gottheiten – reich bebildert. Soeben ist Band 2 „Griechische Göttergeschichten …“ erschienen im Hamburger omnimed-Verlag - Verlag für medizinische Fachzeitschriften. Das klingt zwar merkwürdig, hat aber seinen besonderen Reiz. Bei medizinischen Fachkongressen durfte ich als „Pausenfüller“ über antike griechische Themen referieren.

Gelernt habe ich auf meiner Zickzack-Reise durchs (Berufs)-Leben: „mir treu zu bleiben, Rückrat zu bewahren – mich nicht um jeden Preis zu „verkaufen“. Bisher habe ich überlebt und bin froh, „für alle Fälle“ und für manchen guten Rat den DJV Hamburg im Hintergrund zu wissen.

Dr. phil. Renate Veronika Scheiper       

(Foto: privat)

Bernd SCHILLER - 60 Jahre

Geboren in den Bombennächten 1943, aufgewachsen in den Trümmern im Hamburger Stadtteil Winterhude. Schon früh eine Verbindung zur Zeitung aufgebaut, als Austräger des Hamburger Abendblattes. Eine Nachbarin, die bei Auerdruck u.a. an der Rotation der ZEIT arbeitete, brachte mir das Blatt Woche für Woche mit, die Lektüre prägte mich als Jugendlicher ebenso wie die Mitarbeit am Hamburger Jugendbrief, einem Monatsblatt der Kulturbehörde. Mit 18 war ich an einer Recherchereise nach Amsterdam beteiligt und schrieb über den Besuch im Anne-Frank-Haus die erste Reportage meines Lebens.  Als ich mein Volontariat beim Bielefelder Westfalen-Blatt anfing - übrigens mit zwei Monaten in der Setzerei - hatte ich auf väterlichen Wunsch schon eine Lehre als Schiffsausrüster im Hamburger Hafen hinter mir - ein starkes Fundament für Menschenkenntnis und Alltagsprobleme. Nach drei Jahren in der westfälischen Provinz zog es mich zurück nach Hamburg, zunächst zum Hamburger Abendecho, nach dessen Einstellung zur WELT. Als diese einst angesehene Zeitung immer mehr nach rechts driftete, wechselte ich mit einem Dutzend anderer Kollegen zum stern und von dort zur Brigitte, deren Reiseteil ich ins Leben rief. Nach fast 30 Jahren Gruner + Jahr, intensiven Reisen durch alle Kontinente, sowie als Autor und Mitarbeiter an über 30 Büchern und Bildbänden, die meisten davon im Hamburger Verlag Ellert & Richter) hatte ich noch keine Lust aufs Rentner-Dasein, sondern begann ein drittes Leben als weitgehend unabhängiger Freier. Zunächst vor allem für den Reiseteil des Hamburger Abendblatts, danach - und bis heute mit viel Freude - bei der Rheinischen Post.

Nach wie vor halte ich unseren Beruf für einen der schönsten, sehe aber die Entwicklung vor dem Hintergrund der Ideologisierung, des unsäglichen Genderns und einer unausgegorenen  KI kritisch. Andererseits bin ich optimistisch, dass meine Kinder Maike und Kai, die in leitender Position beim Abendblatt arbeiten, die Wende zu den neuen Formaten des Journalismus so selbstverständlich meistern werden wie wir einst den Weg vom Blei in die neuen Techniken.

(Foto: privat)