DEUTSCHER JOURNALISTEN-VERBAND NORD HAMBURG – SCHLESWIG-HOLSTEIN GEMEINSAM.MACHEN.

Stephanie OBST - 25 Jahre

Mit großen Erwartungen habe ich 1990 mein Volontariat an der Journalistenschule Axel Springer angetreten. In der Zeit der Wiedervereinigung herrschte Aufbruchstimmung. Schon zwei Jahre später war es mit der Euphorie vorbei. Ich bekam nach der Ausbildung lediglich einen befristeten Vertrag beim Hamburger Abendblatt. Und noch einen. Und noch einen... 

Erst ein Jobwechsel Ende 1994 zum Bauer Verlag als Filmredakteurin bei der Zeitschrift TV Movie brachte mir endlich einen unbefristeten Vertrag zu Tarifbedingungen ein. Zunächst lief es gut. Ich konnte journalistisch arbeiten: recherchieren, Interviews führen, Filmsets und Previews von Kinofilmen besuchen. Doch um die Jahrtausendwende herum änderte sich das. 

Die Arbeit wurde immer mehr verdichtet, es wurden massiv Stellen abgebaut. Wir TextredakteurInnen mussten die Jobs der entlassenen SchlussredakteurInnen, FotoredakteurInnen und HerstellerInnen nach und nach mit übernehmen. Damit wurde die Zeit für wirkliche journalistische Arbeit immer weniger. Neue KollegInnen wurden zu immer schlechteren Bedingungen eingestellt.

Das alles hat mich schließlich bewogen, 2007 erstmals für den Betriebsrat zu kandidieren. Seitdem habe ich zwei Betriebsübergänge mitgemacht und bin schließlich in einem Pool gelandet, der alle Programmteile der Fernsehzeitschriften von Bauer Media produziert und betreut.

Langsam ändert sich die Kultur im Konzern. Wir Betriebsräte sind plötzlich nicht mehr grundsätzlich "der Feind", sondern Verhandlungspartner, denen auf Augenhöhe begegnet wird. Seit Corona sind auch Themen wir Home Office und Flex Arbeit keine Tabus mehr. Das gibt Hoffnung. 

Trotzdem mache ich mir keine Illusionen: Ich schreibe in einem sterbenden Medium (Print) über ein sterbendes Medium (lineares Fernsehen). Die Auflagen und Anzeigenerlöse sinken. Und Einheiten, die nicht mehr profitabel genug sind, werden nach wie vor gnadenlos geschlossen. Nicht nur bei Bauer: Bei Burda und Funke haben in den letzten Jahren viele KollegInnen in Programmredaktionen ihre Jobs verloren.

Aber ich gebe nicht auf. In unserer Redaktion wird an neuen, zukunftsfähigen Konzepten gearbeitet. Und als Ausgleich zur Alltagsroutine schreibe ich auf meiner privaten Website obst-auf-reisen.de ohne kommerzielle Zwänge über meine große Leidenschaft, das Reisen.

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