DEUTSCHER JOURNALISTEN-VERBAND NORD HAMBURG – SCHLESWIG-HOLSTEIN GEMEINSAM.MACHEN.

Es macht schon ein wenig betroffen, wie schnell letztlich ein Berufsleben an einem vorbeigleitet.

Als ich 1970 als junger Mann ins Volontariat bei der WAZ in Herne - meiner Heimatstadt – einstieg, hatte ich zunächst keine besonderen Vorstellungen vom Beruf als Journalist. Doch ich hatte das Glück, in der Lokalredaktion Herne mit dem leider längst verstorbenen Michael Thiele einen ganz großartigen Chef zu haben, der mich unglaublich förderte. Bei ihm lernte ich die ganze Bandbreite unseres Berufes – die gründliche Recherche, die Freude über gelungene Formulierungen, das selbständige Arbeiten, aber auch die Verantwortung für das, was am nächsten Tag in der Zeitung stand. Mich faszinierte damals der Lokal-Journalismus, bei dem kein Tag wie der andere ist und wo man unmittelbar Folgen und Wirkung eines Artikels erlebt. Dass ich in dieser Zeit auch viel mit der Kamera unterwegs war (die VÖ eines Fotos wurde extra bezahlt!), sollte mir später sehr von Nutzen sein.

Ich will es kurz machen: Meine nächsten beruflichen Stationen als Redakteur waren ein Jahr Burda-Verlag bei der Freizeit Revue. Dann kam die Chance, nach Hamburg zu gehen, wo ich sieben Jahre lang bei der Fernsehzeitschrift  TV Hören und Sehen große Reportagen schrieb. Zwei weitere Jahre verbrachte ich bei Springers „Funk Uhr“. Durch meine guten Verbindungen zur Schallplattenindustrie bekam ich das Angebot, die Presseabteilung der renommierten Polydor national zu übernehmen. Eine höchst interessante und anspruchsvolle Zeit durch den intensiven Kontakt zu den Stars der Firma wie James Last, den Bee Gees, Karel Gott sowie den großen Liedermachern der Zeit – Herman van Veen, Ludwig Hirsch, Georg Danzer, Franz-Josef Degenhardt, Konstantin Wecker, Robert Long etc.

Meine berufliche Neugierde schließlich war es, durch die ich mich 1983 auf meinen journalistischen Background besann, indem ich mich als Fotojournalist selbständig machte. Um ehrlich zu sein,
besann ich mich auf meine fotografischen Anfänge (s.o.), weil die Selbständigkeit als Autor einfach nicht lukrativ genug war. Als Fotograf jedoch, der auch gleichzeitig einen brauchbaren Text ablieferte,
war ich nicht nur gut gebucht, sondern konnte mich schnell etablieren.

Meine beruflich interessanteste Zeit begann, als ich Anfang der 90er Jahre die Schauspielerin Witta Pohl („Diese Drombuschs“) kennenlernte, die gerade mit ihrem Engagement für Kinder in aller Welt begonnen und ihren Verein „Kinderluftbrücke“ gegründet hatte.
Mit Witta Pohl reiste ich als Exklusivfotograf 20 Jahre lang um die halbe Welt von Uganda nach Manila, von Kaliningrad (Königsberg) nach Kiew, von Sofia und Bukarest bis nach Sri Lanka, um große Reportagen über sie und ihre Arbeit zu produzieren.

Zurückblickend auf 50 Jahre Journalismus kann ich froh sein, als „Freier“ in eine gute Zeit geraten zu sein, wo gute Arbeit zumindest im Bereich der Zeitschriften gut bezahlt wurde. Leider ist das heute nicht mehr so. Ich war dankbar, fast schon im Rentneralter zu sein, als von vielen Verlagen Rundbriefe mit neuen Honorarrichtlinien verschickt wurden, in denen die Honorare für nicht-exklusive Fotos einfach halbiert wurden, oder wo abenteuerliche Rechteabtretungen gefordert wurden.
Die „Übersicht der marktüblichen Vergütungen für Bildnutzungsrechte – Honorare 20…“, herausgegeben von der Mittelstandsgemeinschaft Foto-Marketing (MFM) sind m. E. Makulatur. Denn wer sich den Richtlinien der Verlage nicht beugt, ist raus aus dem Geschäft mit dem Archiv.

Persönlich habe ich es immer für meine Pflicht angesehen, Mitglied im DJV – speziell bei den
Hamburger Kollegen – zu sein. Ich habe mich immer gut informiert und bei meinen – glücklicherweise wenigen – Rechtsstreitigkeiten gut vertreten gefühlt.

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