DEUTSCHER JOURNALISTEN-VERBAND NORD HAMBURG – SCHLESWIG-HOLSTEIN GEMEINSAM.MACHEN.

Wolfgang BORGMANN - 25 Jahre

Es erfüllte sich ein Lebenstraum für mich als ich am 1. Januar 1995 mein Volontariat bei dem damals führenden deutschen Magazin der Logistikbranche mit Sitz in Hamburg antrat. Ich konnte mein Glück kaum fassen, dass mir als absolutem Greenhorn von Anbeginn das Ressort „Luftfracht“ übertragen wurde. Was für eine Verantwortung, denn der Inhaber und Chefredakteur des Magazins schmiss mich in das sprichwörtliche kalte Wasser. Es gab weder eine Übergabe von meinem Vorgänger an mich, noch eine nennenswerte Anleitung. „Mach mal“ lautete die Devise – und der Drucktermin der nächsten Ausgabe des Magazins war nur vier Wochen entfernt! Das Ergebnis dieser Premiere war wie nicht anders zu erwarten eher dürftig doch gewann ich mit der Zeit an Selbstvertrauen und Erfahrung. Dass ich nach nur wenigen Wochen bereits an den damals noch üblichen Pressereisen der Frachtairlines nach Dubai, Singapur und Scharjah teilnehmen durfte bestärkte mich in meiner Überzeugung genau den richtigen Karriereschritt gemacht zu haben. Welchem Azubi war das schon vergönnt? Da nahm ich es gerne in Kauf, dass meine bis maximal nach Bremen kommenden Kolleginnen der Ressorts Seefracht und Logistik meinen globalen Jet-Set eher mit neidischen Blicken verfolgten.

Seit meiner Jugend konnte ich mich sowohl für das Schreiben als auch die Fliegerei begeistern. Und nun sollte sich nach einer ersten Ausbildung und Tätigkeit als Speditionskaufmann mit 30 Lebensjahren ein Lebenstraum erfüllen: mein Hobby wurde zum Beruf! Noch heute, 25 Jahre später, ist meine tägliche Arbeit vielmehr Berufung denn ein X-beliebiger Beruf. Das gilt insbesondere für den Zeitraum meiner Selbständigkeit, die ich seit zwei Jahrzehnten als Freier Luftfahrtjournalist und Buchautor ausübe. Mit Leib und Seele für ein Thema zu brennen und sein eigenes Fachwissen einzubringen birgt sicherlich die Gefahr zu viel Zeit und Geld in eine nicht kommerziell lukrative Recherche zu investieren. Stichwort Selbstausbeutung! Andererseits besteht immer die Hoffnung, dass die Leser der Artikel diese Begeisterung für das Thema spüren und daher meine Beiträge gerne lesen. Was wiederum die Redaktionen freut, die einen – hoffentlich – mit weiteren Artikeln beauftragen.

Die größte Gefahr der Selbstausbeutung lauert jedoch in der Tätigkeit als Buchautor. Nach 15 veröffentlichten Werken lautet meine nüchterne Bilanz, dass die darin investierte Zeit mit der Grundsicherung der Agentur für Arbeit lukrativer gewesen wäre. Dies wissen natürlich auch die Verlage, die sich daher gerne Laien-Autoren für ihre Fachliteratur bedienen die von einer gesicherten Festanstellung oder ansehnlichen Rente leben. Diese haben vorwiegend ihr Ego als „Buchautor“ und nicht ihren Kontostand im Blick. Als Freier, ausschließlich von Einnahmen aus selbständiger Tätigkeit lebender Autor bleibt nach vielen Jahren des Hoffens auf größere Verkaufszahlen und somit höheren Einkünften nur die nüchterne Erkenntnis, dass das Schreiben eines Fachbuches eine große Herausforderung darstellt, und auch Spaß macht – sich unter dem Strich jedoch nicht lohnt. Womit wir bei der aktuellen finanziellen Situation freier Journalisten sind. Und damit meine ich nicht die Corona bedingten Einnahmeausfälle sondern das generelle Umfeld. Ich kann natürlich nur für meinen Bereich der Luftfahrtliteratur sprechen in dem sich die allgemeine Lage von „auskömmlich“ zu „prekär“ verändert hat. Und das nicht nur auf Grund gesunkener Honorare, sondern auch in Folge ausbleibender Aufträge.
Bereue ich meine grundlegende Entscheidung vor 25 Jahren Journalist geworden zu sein? Nein, sicherlich nicht. Aber ich bedaure die aktuelle Entwicklung, dass Fachwissen immer weniger „Wert“ besitzt. Ideell, und nicht zuletzt finanziell."

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