Tarifabschluss beim NDR
Weißer Rauch im NDR: Tarifabschluss für Gehälter und Honorare erzielt!
Ansprechpartner*in
Dr. Anja Westheuser
In der siebten Verhandlungsrunde haben die Gewerkschaften DJV, verdi, unisono und VRFF im NDR einen Durchbruch erzielt und damit den Weg zum Abschluss freigemacht:
Der NDR verzichtet darauf, einen Teil der Erhöhung von Gehältern und Honoraren (insg. 0,5 Prozentpunkte) daran zu koppeln, dass der Rundfunkbeitrag zum 1.4.2027, spätestens zum 1.4.2028, entsprechend dem KEF-Vorschlag auf mindestens 18,64 Euro angehoben wird.
Diese Koppelung war für uns inakzeptabel, weil die Frage der Rechtstreue von Landesregierungen sonst direkten Einfluss auf Honorare und Gehälter im NDR hätte, während die Würdigung von Arbeit in den Hintergrund treten würde.
Außerdem findet dieser Teil der Anhebung jetzt nicht mehr in zwei Stufen statt, je zur Hälfte am 1.4.2027 und am 1.4.2028, sondern in voller Höhe schon zum 1.4.2027. Beide Seiten haben mit Blick auf diese Anhebung ein Sonderkündigungsrecht, der NDR wird davon höchstens im Fall einer negativen Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts über den Beitrag Gebrauch machen.
Fast komplett abgewendet ist die Koppelung eines weiteren Teils der Anhebungen an eine Regelung zur Personalgestellung. Diese soll es ermöglichen, dass Festangestellte vorübergehend oder dauerhaft bei einem anderen öffentlich-rechtlichem Sender oder einer mehrheitlichen Tochter tätig sind, weil mehrere Sender redaktionelle Kompetenzzentren bilden oder Teile der Verwaltung (shared services). Der NDR hatte zunächst eine Anhebung um einen ganzen Prozentpunkt mit dieser Regelung verknüpft, jetzt sind es nur noch 0,25 Prozentpunkte. Für Freie gibt es diesen Abzug gar nicht mehr, weil sie von einer Tarifregel zur Personalgestellung auch nicht betroffen wären.
Alle Gewerkschaften hatten gefordert, dass eine Regelung zur Personalgestellung auf ARD-Ebene vereinbart wird, mittlerweile steht mit dem 9.9.2026 auch der erste Termin für diese Gespräche fest.
Außerdem hat der NDR unseren Vorschlag aufgenommen, Volos und Auszubildende mit einer Einmalzahlung von 750 Euro zum Ende der Ausbildung stärker beim Spagat zwischen niedrigen Ausbildungsgehältern und zum Teil hohen Lebenshaltungskosten in Städten wie Hamburg oder Hannover zu unterstützen.
Das neue Angebot in den wesentlichen Punkten:
Feste erhalten rückwirkend zum 1.4.2026 ein Plus von 1,23%. Zum 1.4.2027 gibt es weitere 2,5 %, wobei für 0,5 Prozentpunkte ein Sonderkündigungsrecht besteht, von dem der NDR höchstens im Fall einer ausbleibenden Beitragsanpassung Gebrauch machen will. Die dritte Steigerung erfolgt am 1.4.2028, sie beträgt 1,75 %, weitere 0,25 Prozentpunkte gibt es, wenn bis dahin eine tarifliche Regelung zu einer Personalgestellung vereinbart werden konnte.
Der bisherige Tarifvertrag endete mit dem 31.1.2026, als Ausgleich für die zwei Leermonate gibt es einmalig 175 Euro.
Das Urlaubsgeld für Beschäftigte der VG 13 - 6 steigt um 120 Euro.
Volos und Azubis erhalten zu den drei o.g. Terminen je 60 Euro mehr und für die Leermonate einmalig 175 Euro.
Ihr Urlaubsgeld steigt um 120 Euro.
Bei Abschluss der Ausbildung innerhalb der Laufzeit des Tarifvertrages zahlt der NDR einmalig 750 Euro.
Das Deutschlandticket wird weiter voll bezahlt.
Freie erhalten ebenfalls 1,23% mehr, aus organisatorischen Gründen allerdings erst zum 1.10.2026 und mit einem Ausgleich für die acht Leermonate von 385 Euro. Das Besondere: Diese Zahlung erhalten nicht nur arbeitnehmerähnliche, sondern auch „frei Freie“, sofern sie zwischen dem 1.2.2026 und dem 30.9.2026 an mindestens 30 Tagen im NDR beschäftigt waren. Zum 1.4.2027 steigen die Honorare um weitere 2,5%, auch hier gilt das o.g. Sonderkündigungsrecht. Zum 1.4.2028 gibt es 2% mehr.
- Erstmals tariflich geregelt ist die Anhebung der Effektivhonorare: Die Honorarbeträge nach den Vergütungstabellen Hörfunk und Fernsehen, die vor den Anhebungen von den Auftraggebenden im NDR (Redaktionen bzw. Abteilungen) vergütet worden sind, werden für gleiche Tätigkeiten bei denselben Auftraggebenden im NDR nach den Anhebungen um den jeweils vereinbarten Prozentsatz (effektiv) angehoben, jedoch maximal bis zum jeweiligen Höchstbetrag. Dabei wird der Höchstbetrag um dieselbe Summe angehoben wie der Mindestbetrag.
- Die Regelung über den sog. besonderen Bestandsschutz, die bereits seit 2010 ausgesetzt ist, bleibt bis Ende 2029 ausgesetzt.
- Die Laufzeit beträgt 35 Monate (1.2.2026 - 31.12.2028) -- damit bleiben wir leider hinter dem Abschluss im öffentlichen Dienst der Länder, den wir angestrebt haben, zurück.
Dieser Abschluss wäre ohne mehrere Streikaktionen nicht möglich gewesen und wir danken allen Kolleg*innen, die unsere Verhandlungen mit ihrem Einsatz so unterstützt haben!
Ausblick: Spätestens Ende März nehmen wir Tarifverhandlungen zu folgenden Themen auf:
- Eingruppierung von Qualifikant*innen (junge Kolleg*innen nach Abschluss ihrer Ausbildung)
- Instrumentengeld, Aufwendungsersatz (betrifft Musiker*innen)
- Regelungen zur Arbeitszeit, inkl. solcher zum Ausgleich besonderer Belastungen
19.8., 0.00 Uhr bis 20.8., 1.30 Uhr
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